Standpunkte

Am 22. März 2020 sind die Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinden zur Wahl eines neuen Kirchengemeinderates aufgerufen. Oftmals wird diesem Gremium keine große Bedeutung beigemessen, doch das ist sicherlich eine Fehleinschätzung. Wie Demokratie in der Kirche gestärkt werden kann und wie interessant die Arbeit in einem Kirchengemeinderat sein kann, zeigen die Antworten der jeweiligen Vorsitzenden in unseren fünf Pfarreien.

Frau Dr. Petra Graf - Gewählte Vorsitzende des KGR St. Josef (Ebingen)

Dr. Petra Graf ist seit 2005 im Kirchengemeinderat von St. Josef tätig, seit 2015 steht sie dem Gremium als gewählte Vorsitzende vor.

Ihr persönliches Engagement im KGR begründet sie so: Für mich ist eine lebendige Kirchengemeinde, in der sich die Gläubigen zuhause und willkommen fühlen, wichtig. Als Mitglied im KGR gibt es die Möglichkeit der gemeinsamen Gestaltung des Gemeindelebens zusammen mit dem Pastoralteam.“ Eine Kirche ohne Pfarrgemeinderat kann sie sich nicht vorstellen, da „der KGR ein demokratisches Gremium ist, in dem den Laien die Mitgestaltung des Gemeindelebens und der Kirchenentwicklung ermöglicht wird. In Zeiten des Mangels an Priestern und hauptberuflich Tätigen werden die Laien immer wichtiger, um ein lebendiges Gemeindeleben aufrecht zu halten.“ Spezielle Aufgaben für den KGR ihrer Pfarrei sieht Frau Graf in der Planung von besonderen Gottesdiensten, Begegnungen, Aktionen und Gemeindefesten im Kirchenjahr, aber auch verwaltungstechnische Entscheidungen etwa  Arbeiten an der Kirche oder dem Kindergarten stehen auf der Tagesordnung, dabei sei der KGR keinesfalls bloßer Erfüllungsgehilfe des Pfarrers. Dieser kann – mit Ausnahme pastoraler Fragen – unter Umständen auch überstimmt werden, „der KGR hat somit eine große Entscheidungsfreiheit.“

Auch wenn für den neuen KGR alle bisherigen Mitglieder wieder zur Wiederwahl antreten, würde sich das Gremium über neue Kandidatinnen und Kandidaten vornehmlich aus der jüngeren Generation freuen. Denn dann hätten die jüngeren Gemeindemitglieder in der Pfarrei ein Sprachrohr und könnten neue Impulse geben. Ob jung oder auch schon älter, „über den KGR gibt es die Möglichkeit, als Laie das Gemeindeleben mitzugestalten und neue Ideen einzubringen.“ Ein wichtiges Merkmal des KGR in St. Josef sei laut Frau Graf die gute Stimmung im Gremium. „Es sind sehr gute persönliche Beziehungen und Freundschaften entstanden und es herrscht eine große Hilfsbereitschaft. Bei gemeinsamen Aktionen in der Kirchengemeinde helfen alle ausnahmslos mit.“ Ein wichtiges Anliegen ist ihr das weitere Zusammenwachsen in der Seelsorgeeinheit und das Durchführen von gemeinsamen Aktionen.

Frau Martina Behrens-Reinke - Gewählte Vorsitzende des KGR Heilig Kreuz (Ebingen)

Für Martina Behrens-Reinke steht das Miteinander in der Kirchengemeinde an oberster Stelle, denn ansonsten wäre Kirche sehr oberflächlich. Eigentlich sieht sie ihre Pfarrei recht gut aufgestellt, für die anstehende Wahl fände sie es schön, wenn sich noch zwei, drei Kandidaten vornehmlich aus dem Jugendbereich finden würden.

Auch in Heilig Kreuz geht die Arbeit für den KGR nicht aus. Gleichwohl findet es die agile Vorsitzende als sehr bereichernd und natürlich auch wichtig, an den Entscheidungen beteiligt zu sein. In naher Zukunft gehört da die Renovierung des Kindergartens, das Dach ist marode und ganz wichtig, die Erweiterung zu einer Kita. Desweiteren sind Feste zu organisieren und weiterhin die Verbundenheit zum ökumenischen Freizeitverein Rossberg zu pflegen. Trotz aller weltlicher Aufgabengebiete, für Behrens-Reinke ist das Vorleben christlicher Werte und der Glaube an Jesus Christus das Wichtigste und das nicht im stillen Kämmerlein, sondern in einer lebendigen Gemeine. Wichtiger Unterstützer für eine solche kann und sollte ein aktiver KGR sein.

Frau Doris Schreyeck - Gewählte Vorsitzende des KGR St. Johannes Baptist (Lautlingen)

Mit im Mittelpunkt der Pfarrei St. Johannes der Täufer in Lautlingen steht der Kindergarten St. Michael. Doris Schreyeck nennt als wichtige Aufgaben in der Zukunft den weiteren Ausbau des Kirchenplatzes, des alten Friedhofs und die Vinz-Pflegewerkstatt-Oase. Sie hofft, dass sich in Lautlingen doch einige Menschen zur Kandidatur für den KGR bereit erklären. Es lohne sich, denn natürlich sei die Arbeit mit Zeitaufwand verbunden, doch sie mache auch Spaß in einem sehr produktiven Miteinander. Ihr selbst liege unser Glaube und ganz speziell die Lautlinger Kirche am Herzen. Mit Blick auf die zurückgehenden Zahlen an Kirchenmitgliedern ist es für sie gerade in der heutigen Zeit wichtig, für unsere christlichen Grundwerte einzustehen.

Herr Bernd Kramer - Gewählter Vorsitzender des KGR St. Margareta (Margrethausen)

Für Bernd Kramer aus der Pfarrei St. Margareta ist aktive Mitarbeit selbstverständlich, zumal „ich die Kirche nur verändern und verbessern kann, wenn ich mitwirke und nicht nur von außen kritisiere.“ Eine wichtige Aufgabe ist für ihn, den Kontakt zu den Gemeindemitgliedern zu halten.

Den KGR sieht Kramer neben der kirchlichen Seite auch als Teil des Gemeindelebens. Die Stimmung innerhalb des KGR bezeichnet er als sehr gut, auch wenn mal hitzig debattiert werde. Doch das kirchliche Miteinander sei eben nicht auf den KGR beschränkt, zahlreiche Ehrenamtliche helfen mit und sind Teil des großen Ganzen. Er möchte jede(n) einladen, sich in der Kirchengemeinde zu engagieren, ob im KGR oder in einem Ausschuss, in dem sie / er die eigenen Fähigkeiten einbringen kann und meint abschließend: „Gemeinsam können wir etwas bewegen. Es lohnt sich!“

Herr Wolfgang Poppel - Gewählter Vorsitzender des KGR St. Hedwig (Ebingen)

Wolfgang Poppel ist ein Urgestein im KGR St. Hedwig mit St. Michael, Bitz. Seit 1981 gehört er diesem an, 2001 übernahm er das Amt des 2. Vorsitzenden. Er erinnert sich noch gerne an die alten Zeiten als er, selbst noch jung, damals für viele engagierte Jugendliche unzählige Aktivitäten gemeinsam mit Pfarrer Hüttl organisierte. Bereits zu jener Zeit war der KGR in ein Bauvorhaben eingebunden: Das Pfarrhaus St. Hedwig entstand. Und heute steht ein Bauprojekt an, nämlich das neue Dienst- und Verwaltungsgebäude der Sozialstation St. Vinzenz, eine Herausforderung für die gesamte Pfarrei, da damit große Schwierigkeiten verbunden sind. Inzwischen wurde ein tragbarer Kompromiss gefunden, so dass das Gebäude errichtet werden kann und gleichzeitig den Forderungen einer Bürgerinitiative zum Erhalt des etablierten Spielplatzes Rechnung getragen wird.

Poppel resümiert, dass ohne KGR lebendige Kirchengemeinden gar nicht denkbar wären, denn ein Pfarrer für fünf Gemeinden kann all die Aufgaben nicht erledigen. Er hofft auf genügend Menschen auf der Kandidatenliste, denn „je mehr Leute im KGR und je breiter die Meinungen sind, desto eher kann man sich ein Bild machen von der Welt und der Kirchengemeinde und dann auch Antworten finden auf die Fragen, die die Menschen heute beschäftigen“.

Nein, den KGR sieht Poppel nicht als Erfüllungsgehilfen des Pfarrers, sondern als Ratgeber und Unterstützer um gemeinsam für die Entwicklung der Gemeinde und der Seelsorgeeinheit zu arbeiten.